Die Kiste der Wunder oder wie alles begann:
Vor 30 Jahren, lange bevor Mira geboren wurde, hatte man ihrem Großvater in Ägypten eine seltsame Holzkiste übergeben. Er erhielt diese Kiste in einer stürmischen Nacht und unter sehr rätselhaften Umständen. Als der Sandsturm am heftigsten wütete, erschien ein tief vermummter Mann und drängte ihm die Larnax geradezu auf. Sie war auf allen Seiten reich mit Goldblech beschlagen und über und über mit uralten Briefmarken beklebt.
Der Unbekannte beschwor ihn, sie gut zu behüten und auf keinen Fall öffnen. Dann verschwand er wieder in der Orkannacht, ohne zu erklären, was mit der kleinen Truhe geschehen sollte.
Miras Großvater schmuggelte die Kiste nach Deutschland. Doch kaum hatte er sie in seinem Filmstudio versteckt, da verschwand sie spurlos, als sei es für die Larnax die Zeit noch nicht gekommen, ihre Bestimmung zu erfüllen.
So verstrichen 30 Jahre, bis Mira die Truhe wie durch ein Wunder im Studio entdeckte.
Zwar hatte man ihr eingeschärft, die Larnax auf keinen Fall zu öffnen, doch mit ihren 12 Jahren war sie viel zu neugierig. Außerdem rumpelte es so geheimnisvoll, als sie die Kiste schüttelte.
Mira zerschnitt die Briefmarken und lüftete den Deckel. Und diesmal war die Truhe bereit...
Die
Kiste der Wunder verwandelte Mira in eine Kobra und schleuderte sie ins ferne Ägypten, in jene Tage, als die große Königin Kleopatra noch eine kleine Prinzessin war.
Damals bedrohte der dämonische
Flüsterer das Leben der Prinzessin, doch niemand wollte ihr glauben. Nur eine seltsame Kobra eilte Kleopatra zu Hilfe, eine Giftschlange, die mit menschlicher Stimme sprach.
Und so begann
Kleopatras Abenteuer mit der goldenen Schlange.
Drei Wochen später...
Wenige Wochen nach Miras glücklicher Heimkehr feiert sie ihren 13. Geburtstag.
Ihr Großvater kann sie nicht davon abhalten, die Kiste der Wunder wenigstens von außen genau zu untersuchen und so entdeckt sie hinter einem goldenen, mit ägyptischen Hieroglyphen verzierten Blech einen kleinen Zettel auf altägyptischen Papier (Papyrus) mit einem Hilferuf ihrer Freunde:
Kleopatra schwebt in größter Gefahr. Wir sind mit dem Flüsterer im Pharos eingeschlossen. Kannst du uns helfen, Mira?
Es sieht so aus, als sei der Zettel 2000 Jahre lang hinter dem Goldblech verborgen gewesen, um von Mira gefunden zu werden.
Sie glaubt ihre Freunde in tödlicher Gefahr. Doch als sie die
Kiste der Wunder ein zweites Mal öffnet, gerät sie in eine tödliche Falle. Wenn Kleopatra ihre Freunde retten will, muss sie das Geheimnis des Wolkenturms entschlüsseln...
Für alle, die etwas mehr über den Wolkenturm und Kleopatras Familie wissen wollen:

Das antike Babylon im heutigen Irak. Rechts der Turm von Babel, eines der Sieben Weltwunder.
Die Familie Kleopatras regierte Ägypten zwischen 323/22 und 30 v. Chr. Der erste Ptolemäer war ein Freund und Leibwächter Alexanders des Großen und stammte wie dieser aus Makedonien im Norden Griechenlands. Der große Alexander hatte zwischen 335 und 323 v. Chr. ein Weltreich geschaffen, das von der Küste des Mittelmeers bis nach Indien, und von den Steppen Zentralasiens bis nach Ägypten reichte. Als sein Reich nach seinem frühen Tod in Babylon zerbrach, sicherte sich Ptolemaios I. die Herrschaft über Ägypten.
Seit dieser Zeit herrschte am Nil eine makedonische Dynastie. Noch nach Jahrhunderten sprachen die Ptolemäer Makedonisch, einen griechischen Dialekt. Kleopatra war angeblich nach 300 Jahren die erste Ptolemäerin, die jemals Ägyptisch lernte.
Alexander der Große hatte im Jahre 331 v. Chr. die neue Hauptstadt Ägyptens gegründet. In den folgenden Jahrhunderten wurde Alexandria zur prachtvollsten und wichtigsten Metropole am Mittelmeer.

Als Ptolemaios I. die Herrschaft übernahm, begann er alsbald, die neue Metropole mit riesigen Bauten zu schmücken.
Der Pharos, der 130-150 m hohe Leuchtturm an der Einfahrt zum großen Hafen war wohl das spektakulärste aller Bauwerke. Der höchste Turm der Antike gehörte zu den Sieben Weltwundern. Er ist der
Wolkenturm unseres Abenteuers. Man erbaute den Pharos auf der Pharosinsel, die ihm auch den Namen gab.

Der Pharos und der Große Hafen von Alexandria. Links vorne die Insel Antirrhodos mit einem Palast und am Horizont ein künstlicher Berg, das Paneion. Vom Paneion aus hatte man den besten Blick über Alexandria und dort oben spielt der Show-down in Miras erstem Abenteuer mit Kleopatra.
In der Nähe des Leuchtturms standen gigantische Statuen, die Vorfahren Kleopatras darstellten. Und da sie das Land der Pharaonen beherrschten, zeigen sich die makedonischen Könige hier in ägyptischer Tracht.
Wie uns Julius Cäsar berichtet, wurde die Pharosinsel zu Lebzeiten Kleopatras von Ägyptern bewohnt, die tatsächlich Strandpiraten waren. Cäsar erwähnt auch die vierstöckigen Lehmhäuser, die in unserem Roman eine Rolle spielen.
In antiken Legenden wird die Pharosinsel zudem als Heimat des mythischen Pharaos Proteus beschrieben. Von Proteus berichtet der griechische Weltreisende Herodot. Proteus war nicht nur ein Pharao, sondern auch ein Sohn des Meeresgottes Poseidon. Sein göttlicher Vater hatte ihm die Gabe der Prophetie verliehen. Auch die Strandpiraten in unserer Geschichte schreiben ihrem Piratenkönig Proteus prophetische Fähigkeiten zu.

Der Pharos (Wolkenturm) stürzte im 14. Jh. n. Chr. bei einem Erdbeben in sich zusammen. Um den Turm rankten sich zahlreiche Legenden und Mythen und dies nicht nur in der Antike, sondern auch in der islamischen Zeit. Wahrscheinlich ist er das Vorbild für die Minarette islamischer Moscheen. Der Turm wurde zur Zeit Ptolemaios’ I. von dem Architekten Sostratos erbaut. Die meisten geschilderten Details unseres Wolkenturms sind antiken Überlieferungen und Legenden entlehnt. Demnach besaß er drei Stockwerke und eine riesige Statue auf der Spitze. Die Skulptur stellte entweder Poseidon, den Gott des Meeres oder den Göttervater Zeus dar.
In den letzten drei Jahrhunderten vor der Zeitenwende war Alexandria die bei weitem glanzvollste Metropole des Mittelmeerraums. Unser Blick geht vom Pharos hinüber ins Machtzentrum von Alexandria. Links im Hintergrund erkennt man den Königshafen, in dem Cäsar im Zuge des Alexandrinischen Krieges (48/47 v. Chr.) die ptolemäische Kriegsflotte in Brand stecken ließ. Direkt am Hafen lag auch die berühmteste Bibliothek der Antike. Als die Flotte brannte, wurden Tausende unersetzbarer Bücher ein Raub der Flammen.
Arabische Reisende berichten zudem von magischen Statuen (den Tritonen), von denen die eine die Uhrzeit mit einem riesigen Muschelhorn verkündete, während eine zweite immer auf den Stand der Sonne zeigte und eine dritte mit ihrem Horn das Nahen eines Feindes ankündigte. Auch andere Details, wie das riesige Fernrohr im Pharos, die Aufzüge oder die spiralförmigen Aufgänge, die sogar von Pferden benutzt werden konnten, entsprechen antiken Überlieferungen. Arabische Schriftsteller berichten sogar von einem Reiter, der von der Spitze des Pharos zu Tode stürzte.
Berühmt waren auch die Inschriften des Leuchtturms. In einer Inschrift aus mächtigen Bronzebuchstaben wurde nicht etwa der König, sondern Sostratos der Architekt als Stifter des Leuchtturms genannt. Anscheinend hatte König Ptolemaios I. dem Architekten erlaubt, den Pharos mit seinem eigenen Namen zu signieren. So lautete die Inschrift zunächst:
SOSTRATOS, DER SOHN DES DEXIPHANES AUS RHODOS,
DEN RETTENDEN GÖTTERN,
FÜR ALLE, DIE DIE SEE BEFAHREN.
Der Sohn des Königs war weniger großzügig als sein Vater. Er zwang den Architekten, die bronzene Inschrift mit Mörtel zu übertünchen. Die Bronzeinschrift blieb jedoch darunter erhalten. Dann malte man außen auf den Putz eine zweite Inschrift, in der diesmal der König selbst als Bauherr genannt wurde:
KÖNIG PTOLEMAIOS, DER SOHN DES PTOLEMAIOS,
DEN RETTENDEN GÖTTERN,
FÜR ALLE, DIE DIE SEE BEFAHREN.
Der Putz blätterte jedoch im Laufe der Jahrzehnte ab, sodass die ursprüngliche Bronzeinschrift wieder zum Vorschein kam. In der Antike erzählte man sich, dass der gerissene Architekt das vorhergesehen und auf diese Weise seinen eifersüchtigen König überlistet habe.
Das Abenteuer geht weiter...
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