Ein Kriminalroman im Schatten einer Katastrophe
Pompeji, 24. August 79 n. Chr. Es ist der Tag, an dem in Pompeji die Welt untergeht...
Für die junge Iulia aus der vornehmen pompejanischen Familie der Poppäer ist der Vesuv ein mystischer Ort, denn tief unter dem gigantischen Berg schlummert der Gott Vulcanus.
Iulia fiebert dem Festtag des Gottes entgegen, um hoch oben am Kraterrand für ihren Bruder zu opfern. Sie ist überzeugt, dass ihr nur dieses Wagnis den Bruder zurückbringen kann, der vor über einem Jahr dort oben spurlos verschwand.
Trotz aller Warnungen reitet sie auf ihrem alten Hengst Adiumentum auf den Vulkan und fällt buchstäblich unter die Räuber. Sie entdeckt eine mörderische Verschwörung gegen ihr Elternhaus und weiß schon bald nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Auf ihrer Flucht bebt die Erde und ihr Ritt gerät zum Tanz auf dem Vulkan.
Als sie Pompeji erreicht, explodiert der Vesuv vor ihren Augen.
Die nächsten Stunden werden entscheiden über Leben und Tod...
Dies ist die Geschichte von zwei Freunden, die eigentlich keine Freunde mehr sein wollen, doch am Ende ist ihre Zuneigung stärker als jedes Misstrauen.
Ein klein wenig Geschichte und Archäologie
für ältere und jüngere Leser:
Unser Kriminalroman ‚Verschwörung am Vesuv’ führt uns in das antike Pompeji und in jene Tage, in denen der Ausbruch des Vesuv die Stadt für Jahrtausende verschüttete.
Im Hintergrund des Romans stehen die berühmten Briefe des jüngeren Plinius, die einzigen antiken Berichte zum Ablauf der Katastrophe.
Auch wenn die Handlung unseres Romans und seine Hauptpersonen Iulia und Nikos frei erfunden sind, so gilt dies nicht für Iulias Elternhaus, das man heute ‚Casa del Menandro’ nennt.
In dem Haus wurde auf einem Wandgemälde ein Porträt des berühmten Dichters Menander entdeckt und dies führte zu dem modernen Namen des Anwesens. Unsere Casa besitzt sogar eine richtige Adresse: I, 10, 4. Die römische ‚I’ steht dabei für die ‚Regio’ (= Region, Stadtviertel). Die ‚10’ steht für die ‚Insula’ (= Insel, Häuserblock). Die ‚4’ bezeichnet den Hauseingang, also die Hausnummer.
Iulias Familie, die Gens Poppaea, lebte tatsächlich in diesem Haus. Eine Tochter dieser Familie namens Poppaea war mit Kaiser Nero (54 - 68 n. Chr.) verheiratet und wurde von Nero im Jahre 65 n. Chr. umgebracht. In unserer Geschichte ist Poppaea eine ältere Schwester Iulias.
Auch zahlreiche andere Details und Charaktere wie etwa Helena und Isidoros haben tatsächlich gelebt, auch wenn mein Verlag darauf bestand, nicht ihre antiken Namen zu verwenden, weil sie ihm zu verfänglich erschienen. Sie hießen eigentlich Erotis (Helena) und Eros (Isidoros). Als Archäologe muss ich noch heute bei der Erinnerung an dieses Telefonat ein wenig lächeln, aber Helena und Isidoros sind auch zwei schöne Namen.
Auch Rectina und ihre Villa am Vesuv kennen wir aus einem Brief des Plinius. Nur dass sie die Anführerin einer Räuberbande war, entspringt der Fantasie des Autors. Die Schilderung des Vulkanausbruchs berücksichtigt neuere Erkenntnisse. So gehen wir heute davon aus, dass die erste Phase des Ausbruchs (die sog. plinianische Phase) gegen Mittag oder am frühen Nachmittag des 24. August 79 n. Chr. ihren Anfang nahm. Danach blieb den Einwohnern noch eine Frist von etwa vier Stunden, um die bereits meterhoch unter einem Hagel von Lavabröckchen und Asche verschüttete Stadt zu verlassen. Wer sich noch in den Abendstunden gegen 20:00 Uhr in Pompeji verbarrikadierte, wurde von der zweiten Phase des Ausbruchs unweigerlich getötet. Die Ausläufer der glühend heißen Gaswolken erreichten sogar noch den Strand von Stabiae weiter südlich von Pompeji und töteten dort, ganz wie in unserem Roman beschrieben, den berühmten Admiral Plinius.
Die römische Gesellschaft unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von modernen Vorstellungen, das Prinzip der Menschenrechte war noch weitgehend unbekannt. Im Reich der Römer existierten vier große Bevölkerungsgruppen, die ganz unterschiedliche Privilegien oder eben keine Privilegien genossen. Ganz oben standen die römischen Bürger, zu denen Iulias Familie gehörte. Dann gab es die nach Millionen zählenden Untertanen des Riesenreiches wie etwa die Griechen oder Ägypter. Schließlich kennen wir die beinahe rechtlosen Sklaven und daneben noch eine vierte Gruppe - die Freigelassenen. Es handelte sich um ehemalige Sklaven, die von ihren Herren aufgrund großer Verdienste aus dem Sklavenstand entlassen worden waren.
Auch wenn viele dieser Freigelassenen zu großem Reichtum gelangten, so konnten sie doch in der Regel keine öffentlichen Ämter bekleiden. Erst ihre Kinder besaßen dann die Rechte römischer Bürger.
Die Casa del Menandro
und ein
Bastelbogen für ein römisches Haus

Unser Bastelbogen besteht aus fünf Bogen im Format DIN A3 und einem Bogen im Format DIN A4.
Die Grundfläche des Hauses entspricht einem DIN A4 Blatt.
(Modellbau Peter Kammermeier)
Iulias Elternhaus kann man noch heute in Pompeji besichtigen und wenn man den Roman zur Hand hat, wird man sich dort gut zurechtfinden.
Der Grundriss dieses herrschaftlichen Anwesens ist allerdings recht kompliziert und aus heutiger Sicht einigermaßen ungewöhnlich. Für unser Pappmodell wurde der Plan allerdings deutlich vereinfacht, um auf ein DIN A4 Blatt zu passen. Bei Iulias Elternhaus handelt es sich eigentlich um mehrere Häuser, die im Laufe einiger Generationen zu einem einzigen Baukomplex zusammengefügt wurden.
Umrundet man unser Haus, dann stellt man schnell fest, dass es nur sehr wenige Fenster besitzt. Dies liegt daran, dass man zu dieser Zeit in Privathäusern noch kein Fensterglas benutzte. Zu viele Fenster hätten das Haus aufgrund des ständigen Luftzugs nahezu unbewohnbar gemacht.
Der älteste Teil unseres Hauses ist das Atrium, das man vorne von der Straße aus durch den engen Gang der Fauces betritt. Das Atrium ist im Grunde genommen ein kleiner Hof mit einem Wasserbecken unter dem offenen Dach. In diesem Becken sammelte man das Regenwasser, das von den Römern tatsächlich getrunken wurde. Sie waren anscheinend daran gewöhnt, während wir heute wahrscheinlich am nächsten Tag krank im Bett liegen würden.
Dem Eingang gegenüber, auf der andern Seite des kleinen Beckens, findet sich das Tablinum mit einem ebenfalls glaslosen Fenster, das zum Garten hinaus führt. Im Tablinum begrüßt der Hausherr seine Besucher. Zur Linken wie zur Rechten des Tablinums erkennt man die beiden Flügelräume, die Alae. In diesen Alae verehrte man unter anderem die Laren und Penaten, die Schutzgötter des römischen Haushalts.
Alle Räume dieses ältesten Trakts erreicht man über das Atrium und rings um das zentrale Wasserbecken gruppieren sich deshalb auch die Schlafzimmer. Ein solches Atriumhaus besitzt in der Regel auch ein Oberstockwerk und wir finden auch bei uns eine schmale Treppe, die nach oben führt.
An der Vorderfront des Hauses öffnen sich zur Straße hin noch einige Geschäfte, in denen man etwa Backwaren oder irgendwelche Dienstleistungen anbot. Diese Läden wurden entweder von den Eigentümern des Hauses betrieben oder an Fremde vermietet. Ein römisches Haus war also auch ein Wirtschaftsbetrieb. Deshalb finden wir an der entgegengesetzten Seite des Anwesens auch einen kleinen Hof mit angrenzendem Stall, von dem aus Landwirtschaft betrieben wurde, vor allem der Anbau von Wein.
Im Laufe der Zeit wurde das Haus seinen Bewohnern zu eng. Man kaufte benachbarte Gebäude hinzu, die die Familie nun jedoch nicht mehr nach römischer Sitte zu einem Atrium ausbaute, sondern nach griechischer Art als Peristyl gestaltete. Ein Peristyl ist ein von Säulen umstandener Hof, der in unserem Fall zugleich als Garten diente.
In der Antike unterschied man deshalb zwischen einem römischen Atriumhaus und einem griechischen Peristylhaus.
Im Garten öffnet sich zur Linken der große Festsaal (der Oikos). Auch dies erinnert an griechische Paläste aus dem östlichen Mittelmeer. Im Grunde besteht unser Haus also aus einem römischen und einem eher griechischen Teil.
An dem Peristyl finden wir auch einige halbrunde Nischen (die Exedren), in denen unter anderem die Ahnenbilder der Familie aufgestellt waren. Hierbei handelte es sich in der Regel nicht etwa um Statuen oder Gemälde, sondern um Porträtköpfe der Vorfahren mit Gesichtern aus Wachs. In der Casa del Menandro wurden tatsächlich die Überreste solcher Ahnenbilder entdeckt.
In unserem Modell schließt sich hinter dem Garten eine Küche an, sowie zur Rechten das Bad des Hauses. Die Baderäume besaßen einen eigenen winzigen Hof und bestanden aus einem Raum für kaltes Wasser (Frigidarium) und einem sogenannten Warmbad (Caldarium), das mit einem Wasserkessel unter dem Fußboden beheizt werden konnte. Ein solch aufwändiges Bad war in pompejanischen Häusern keineswegs die Regel, so dass viele Einwohner die großen öffentlichen Bäder (die Thermen) besuchen mussten.
Nicht minder wichtig für unser herrschaftliches Anwesen ist das Personal (meist Sklaven), und so haben wir sogar einen eigenen Hausverwalter (Procurator). Auch er war in der Regel ein Sklave oder ein freigelassener Sklave der Familie. Isidoros, der Procurator unserer Geschichte, bewohnte zur Linken des Hauses eine eigene Wohnung mit einem kleinen Hof. Von der Wohnung des Verwalters führte ein schmaler Gang um die Ecke des Oikos herum in das Peristyl, so dass der Procurator und seine Untergebenen in das Herrenhaus gelangen konnten, ohne die Herrschaft zu stören.
Als der Vesuv explodierte, flüchteten die Bewohner der Casa del Menandro vergeblicherweise in diesen Gang, weil dort das Dach am stabilsten schien. In diesem Korridor und im benachbarten Oikos fanden die Archäologen 1900 Jahre später ihre Skelette.
Unter den Baderäumen entdeckte man in der Casa del Menandro einen großen Silberschatz, der anscheinend 79 n. Chr. im Angesicht der Katastrophe versteckt worden war, um ihn vor Plünderern und Dieben zu schützen. Dies zeigt uns, dass sich der Vesuvausbruch in zwei Phasen vollzog. Der erste Ausbruch ereignete sich um die Mittagsstunde herum und verschüttete die Häuser nur zum Teil, während der zweite Ausbruch die Stadt in den Abendstunden vollständig vernichtete und all jene Einwohner tötete, die noch nicht geflohen waren. Das Tafelsilber wurde wahrscheinlich zwischen dem ersten und dem zweiten Ausbruch versteckt, als die verzweifelten Pompejaner noch glaubten, sie könnten der Katastrophe entrinnen.
So tragisch dies für die Bewohner auch war, heute erlaubt uns Pompeji einen faszinierenden Blick in eine längst versunkene Zeit und setzt den Toten ein ewiges Denkmal.
Der Festsaal des P. Fannius Synistor in der Villa von Boscoreale bei Pompeji.
Die Wandmalerei Pompejis verzichtet meist auf korrekte Perspektiven und malt Säulen, die eigentlich mitten im Raum stehen sollten, direkt auf die Wand. Unsere Rekonstruktion versucht die originale Raumwirkung einer gebauten und mit Wandmalereien geschmückten Architektur zurückzugewinnen. Die Geschichte dieser Halle und seiner göttlichen Fürsten wird vielleicht in anderem Rahmen zu erzählen sein.