Zischend schoss die Kobra hervor. Kleopatra drückte voller Angst die Schwertspitze in ihre Schuppenhaut, als sie plötzlich eine dünne Mädchenstimme aus dem Zischen heraushörte.
„Ssss ... au.. aaaau. Lass los oder ich beiße dich. Ssss ...“ Kleopatra erstarrte. Hatte die Kobra gesprochen?
(Kleopatra und die goldene Schlange S. 96)
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"Alexandria (oben) - mystische Stadt voller Legenden und Abenteuer, gegründet von Alexander dem Großem im Nildelta. Es ist der Schauplatz von Kleopatras Kindheitsabenteuern. Unten ist der berühmte Pharos zu sehen - der Leuchtturm von Alexandria."
Modellrekonstruktion von Bernd P. Kammermeier nach einer Vorlage von Michael Pfrommer
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Ein großes Abenteuer für kleine Leser
Alexandria in Ägypten, 58 v. Chr.,
in der ägyptischen Metropole droht ein Aufstand.
Philippos lauschte mit immer größeren Augen.
„Pyramidal“, flüsterte er schließlich.
„Ssss ... ist das dein Lieblingswort?“, zischelte
Mira ungehalten. „Los jetzt, wir müssen ins Theater.“
Wie ein Pfeil huschte die kleine Kobra an ihm hinunter
und hinein in den Tunnel.
Philippos stand wie erstarrt, dann löschte er die Öllampe.
„Ein Held ist allzeit bereit“ flüsterte er.
Kleopatra hatte vorhin ihr Taschentuch zur Seite gelegt
und Philippos riss es an sich, ehe er in den Gang kroch.
Für einen Moment hörte man noch seine bebende
Stimme: „So kämpf’ ich mir den Weg frei, ein blankes
Schwert in mut’ger Hand.“ Das letzte, was man von ihm
sah, war das helle Taschentuch.
(Kleopatra und die goldene Schlange S. 174).
In Alexandria, der Hauptstadt Ägyptens, treibt ein Dämon sein Unwesen – man nennt ihn den Flüsterer und alle zittern vor seiner Zauberkraft. Sein Ziel ist die Ausrottung der Königsfamilie und der Tod Kleopatras. Die Prinzessin ist gerade zehn Jahre alt und versucht verzweifelt, ihre Familie zu warnen, doch niemand schenkt ihr Glauben, auch nicht, als erst ihr Vater und kurz darauf ihr Bruder verschwindet. Kleopatra erkennt zu ihrem Entsetzen, daß ihr Gegenspieler übernatürliche Kräfte besitzt und ihre Lage scheint aussichtslos. Nur eine unheimliche Kobra bietet ihre Hilfe an, aber es gibt nichts, was die Prinzessin mehr verabscheut als Schlangen. Doch schließlich überwindet sie ihre Furcht und schließt Freundschaft mit dem tödlichen Reptil, das sogar mit menschlicher Stimme zischt.
Kleopatra findet schnell heraus, daß ihre Freundin eigentlich keine Kobra ist. Die Schlange ist Mira, ein Mädchen aus unserer Zeit, das durch einen Zauber in eine Schlange verwandelt und in Kleopatras Welt verschlagen wurde. Anfangs denkt und fühlt sie noch als Mensch, doch Miras Zeit läuft unbarmherzig ab. Schon in zwei Tagen wird sie vergessen, je ein Mensch gewesen zu sein. Dann ist sie eine tödliche Bedrohung, vor allem für ihre neue Freundin. Der Zauberstab des Flüsterers ist der einzige Schlüssel zu Miras Rettung und zum Schutz der Königsfamilie.
Mit Miras Hilfe findet die kleine Prinzessin schließlich doch noch Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Philippos, ein kleiner griechischer Sklave, der die Ägypter verachtet, und Sarapion, Kleopatras Wagenlenker, der anfangs an seiner Herrin kein gutes Haar lässt.
Wird es den Freunden gelingen, den Flüsterer in letzter Sekunde aufzuhalten und Mira in unsere Welt zurückzuschicken?
Kleopatras reale Welt und der Roman
Kleopatras Kinder- und Jugendabenteuer sind nur auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Thema, liegt doch über der Jugend der großen Königin bis heute ein nahezu undurchdringlicher Schleier - für einen schriftstellernden Altertumswissenschaftler eine geradezu unwiderstehliche Versuchung.
Die Antike, sonst so freigebig mit Anekdoten und Erzählungen aus dem Leben der Königin, breitet regelrecht einen Mantel des Schweigens über ihre Kindertage, sogar die Identität ihrer Mutter lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass uns mit Kleopatra VII. nicht nur die legendärste Königin Ägyptens, sondern wohl auch die berühmteste Frau des Altertums entgegentritt. Die Weltliteratur hat sie längst erobert und mit Liz Taylor selbst Hollywood erreicht. Bis heute genügt der Klang ihres Namens, um im Fernsehen ein Millionenpublikum um sich zu scharen.
Kleopatras Welt begriff sich selbst als mythisches Zeitalter, geleitet und umgeben von Orakeln und Zaubersprüchen, so dass es naheliegt, die Kinderabenteuer der großen Königin aus dem Blickwinkel des Fantastischen zu schildern, so, wie sie es selbst bevorzugt hätte, war sie doch durchdrungen von der Überzeugung, eine lebende Isis zu sein und somit die Schöpferin der Welt.
Im Kontrast zu Kleopatras fantastischer Umgebung ist Alexandria und ihre Zeit so realistisch wie nur möglich eingefangen. Dies gilt nicht nur für Details wie den Stadtplan der Hauptstadt, sondern auch für einzelne Gebäude oder Gegenstände. Historisch führt uns der Roman an die Schwelle eines Bürgerkriegs, der Kleopatras Vater vorübergehend den Thron kosten wird.
Kleopatra von Ägypten ist die letzte ihrer Welt, die letzte große Herrscherin einer Menschheitsepoche, die mit Alexander dem Großen (356 - 323 v. Chr.) begann und mit der Königin 30 v. Chr. enden wird. Sie entstammte einer einstmals großartigen Familie, dem Haus der Ptolemäer, deren Gründer an Alexanders Seite focht. Nach drei Jahrhunderten hatte diese Familie jedoch so gut wie alles verspielt, was noch an einstige Größe erinnerte. Und so erscheint Kleopatra förmlich aus dem Nichts, wie ein Blitz in der Weltgeschichte, eine Wiedergeburt aus den Tagen des Ruhms.
Kleopatra und die goldene Schlange ist der erste Roman in einer Reihe von Abenteuern, mit denen wir den märchenhaften Aufstieg der Prinzessin begleiten werden, bis sie eines Tages zu jener Persönlichkeit heranreift, die antreten wird, unsere Geschichte in andere Bahnen zu lenken.