Michael Pfrommer

Michael Pfrommer Portrait Wer ich bin und wie ich zum Schreiben kam...


"Ich hasse Science Fiction!“, funkelte sie mich an. Sie, das war meine damalige Freundin Vera. Wir waren beide Archäologen und beide bereisten wir zusammen vor bald 30 Jahren den Orient. Nun saßen wir zusammen in einem Hotelzimmer in Algier, um darauf zu warten, dass man endlich unsere Spiegelreflexkameras reparierte, die nach einer neunmonatigen Orientreise dem Staub Tribut zollen mussten.

Nach einem Dreivierteljahr in Hotelzimmern und in einem VW-Golf war uns zudem der Lesestoff gründlich ausgegangen. Kurz um, wir waren auf dem besten Wege, aneinander hoch zu gehen. Und so war es schließlich meine Freundin, die mir mit einer mir noch heute völlig unbegreiflichen Intuition den entscheidenden Vorschlag ins Gesicht schleuderte. "Schreib gefälligst was zu lesen, aber kein Science Fiction!“ Das war natürlich kein Vorschlag, sondern ein Befehl, und wir Männer führen bekanntlich immer Befehle aus, nicht nur beim Militär.

In den nächsten Monaten entstand mein erster vollständiger Roman, mit Bleistift geschrieben auf den Seiten eines Ringbuchs und natürlich war es ein Sciencefiction-Roman. Es musste einfach Science Fiction sein, möglichst weit weg von all dem, was uns den ganzen Tag umgab, nämlich Orient und Archäologie. Schließlich hatten wir langsam genug von römischen Theatern und antiken Mauern.

Der Roman entstand auf meinen Knien in den römischen Ruinen in Nordafrika, während meine Freundin die Grundrisse römischer Häuser skizzierte, und er wurde schließlich irgendwo an der Südküste der Türkei vollendet, als ich keine Lust mehr hatte, die Geschichte weiter zu spinnen.

Sie existiert noch heute und glücklicherweise kennen den Roman nur ganz wenige Leute. Doch aus dem Antrieb, dem orientalisch-archäologischen Alltag zu entfliehen, erwuchs im Laufe der Jahrzehnte die Leidenschaft, die Auseinandersetzung des Orients mit dem Abendland durch die Jahrtausende in Romanen zu spiegeln. Wenn man wie ich sechs Jahre seines Lebens im Orient zugebracht hat und seinen Fuß von Casablanca bis Kabul in zahlreiche orientalische Metropolen setzte, begegnet man diesem Ost-West-Konflikt auf mannigfaltige Weise, und man entdeckt, dass die Auseinandersetzung zwischen dem christlichen Abendland und der islamischen Welt nur ein Teil dieser wahrhaft epischen und wahrhaft tragischen Auseinandersetzung ist, die wenigstens 2600 Jahre zurückreicht, als weder von Christentum noch von Islam die Rede war.

Im Grunde genommen ist bereits der Kampf um Troja und die Ilias Homers eine Bühne für diese ost-westliche Auseinandersetzung und so ist es nur allzu erklärlich, dass den von den Griechen belagerten Trojanern ausgerechnet eine Amazonenkönigin zur Hilfe kam, war in den Augen der Griechen doch die Amazone ein Sinnbild des Orients.

Es klingt vielleicht seltsam, aber für mich sind Romane wie das ‚Zweite Buch’ mit seiner Geschichte aus den biblischen Tagen eines Hesekiel oder ‚Hindukusch’ mit seinem Abenteuer in den Tagen des Zweiten Weltkriegs nur Kapitel ost-westlicher Begegnungen. Dasselbe gilt natürlich für die Geschichte der Amazonenkönigin Thalestris und dem ‚Flug des Greifen’, ja selbst für mein erstes Kinderbuch ‚Kleopatra und die goldene Schlange’, das den Kinderabenteuern der großen Königin gewidmet ist.

Als klassischer Archäologe gilt mein Interesse den Klassischen Kulturen des Altertums, also den Griechen und Römern. Und wenn ich historische oder historisierende Romane schreibe, profitiere ich natürlich von meinen jahrzehntelangen Forschungen. Auf der anderen Seite habe ich mehr als sechs Jahre im Orient verbracht, und so hat sich die Ost-West-Auseinandersetzung in der Antike zu einem weiteren, wissenschaftlichen Standbein entwickelt, wobei sich zeigte, dass viele Konflikte der Gegenwart vor Jahrtausenden bestürzende Parallelen finden. Als ich mein Studium vor mehr als 30 Jahren begann, war ich der Überzeugung, dass das klassische Altertum primär ein Bildungsideal sei; ich habe mich geirrt, es ist Teil unserer Gegenwart. Meine Romane sind ein Versuch, dies zu zeigen.


Lebensdaten:

29.1.1954 Geboren in Karlsruhe und aufgewachsen in Nürnberg.


1973 - 1979 Studium der Klassischen Archäologie, der Ur- und Frühgeschichte und der Alten Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Promotion in Klassischer Archäologie mit einer Arbeit über griechische Silbergefäße aus Ägypten und Unteritalien.


1980 - 1981 Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts mit einer Reise um die Ost- und Südküste des Mittelmeeres.


1983 - 1987 Referent für Klassische Archäologie am Deutschen Archäologischen Institut Istanbul in Verbindung mit einer Grabungsteilnahme in Milet.


1983 bzw. 1985 Mehrmonatiger Aufenthalt als Guest-Scholar am J. Paul Getty Museum in Malibu/Kalifornien.


1988 - 1989 Habilitationsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Habilitation über das Alexandermosaik aus Pompeji.


1990 - 1995 Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit Arbeiten über die Steppenvölker und die Seidenstraße.


11.7.1995 Ernennung zum Außerplanmäßigen Professor an der Universität Trier.


1995 Ernennung zum Korrespondierenden Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts.


Seit 1995 lehre ich als Privatdozent an der Universität Trier.


In den letzten Jahren wirkte ich zudem an zahlreichen Dokumentationen für das ZDF und für ARTE mit, darunter Die Sieben Weltwunder, Caesar, Kleopatra, Ägyptische Pharaonen, Babylon, Alexander der Große, Nostradamus, Gladiatoren und Spartacus, Königinnen vom Nil oder Die Rätsel der Bibel.




Wissenschaftliche Publikationen (Auswahl):


Studien zu alexandrinischer und großgriechischer Toreutik frühhellenistischer Zeit, Archäologische Forschungen 16 (Berlin 1987).


Untersuchungen zur Chronologie früh- und hochhellenistischen Goldschmucks, Istanbuler Forschungen 37 (Tübingen 1990).


Metalwork from the Hellenized East. Catalogue of the Collections. The J. Paul Getty Museum (Los Angeles 1993).


Göttliche Fürsten in Boscoreale. Der Festsaal in der Villa des P. Fannius Synistor, 12. Trierer Winckelmannsprogramm 1992 (Mainz 1993).


Untersuchungen zur Chronologie und Komposition des Alexandermosaiks auf antiquarischer Grundlage, Aegyptiaca Treverensia 8 (Mainz 1998).


Alexandria - Im Schatten der Pyramiden. Zaberns Bildbände zur Archäologie. Sonderheft der Antiken Welt (Mainz 1999).


Gold from Hellenistic Egypt, Getty Museum Studies on Art (2001).


Alexander der Große. Auf den Spuren eines Mythos. Zaberns Bildbände zur Archäologie. Sonderband der Antiken Welt. (2001).


Königinnen vom Nil. Begleitbuch zu einer Fernsehdokumentation von ARTE und ZdF ZDF (2002).